Das Ama-Gi als Claro-Rückseite: "Freiheit" in sumerischer Keilschrift

Die Rückseite des Claro zeigt das "Ama-Gi" in sumerischer Keilschrift. Das Ama-Gi gilt als erstes Schriftzug für das Wort "Freiheit" und findet sich schon auf 4400 Jahre alten sumerischen Tontafeln.

Mit Ama-Gi (Freiheit) wurde seit ca. 2370 v. Chr. auch die Befreiung von Überschuldung ausgedrückt. Folgendes Zitat entstammt zwei Tonkegeln (siehe Spalte 12, Nr. 21) in Keilschrift, die die Reformen des Herrschers Urukagina des sumerischen Stadtstaats Lagash erläutern, der das Volk von Überschuldung, extremen Steuerlasten und Korruption befreite:

"... Wenn der Gott Ningirsu, Krieger des Gottes Enlil, Urukagin die Regentschaft von Lagash gewährte und ihn aus dem Volk erwählte, gab er ihm die (die Wiederherstellung) der von Gott befohlenen Lebensweise früherer Zeiten auf. Er (Urukagina) führte die Anweisungen seines göttlichen Herrschers, Ningirsu aus. ... Er befreite die Bewohner von Lagash vom Zinswucher, beschwerender Bürokratie, Hunger, Diebstahl, Mord, Beschlagnahme von Eigentum und Personen. Er verwirklichte Freiheit. Die Witwen und Waisen hingen nicht mehr von der Gnade der Mächtigen ab ...." (Auszug - vergl. umfangreicheren Text in englischer Übersetzung im World History Project).

Wenn ferner im Dekret die Enteignung der niederen Klassen untersagt wird, gilt auch hier Silber selbstverständlich als Zahlungsmittel erklärt:  "... Wenn ein mächtiger Mann neben einem Haus eines Shublugal (abhängigen Arbeiters) steht und zu ihm sagt: 'Ich will es kaufen', dann kann dieser sagen: 'Zahle mir in Silber wie es mir gefällt' oder 'bezahle mich mit einer entsprechenden Menge Gerste'. Wenn er aber nicht verkaufen, darf der mächtige Mann ihn nicht zwingen. ...."

Das Ama-Gi auf der Rückseite der Claros soll auch daran erinnern, dass schon seit rund 5000 Jahren vor allem Silber als Zahlungsmittel (PDF), Recheneinheit und Wertmaßstab für den Handel genutzt wurde. Das sumerische Wort Kaspum bezeichnete sowohl Silber als auch Geld an sich, da schon damals Silber Rohstoffgeld in Gewichtseinheiten war.

Einen interessanten Beitrag zum Verständnis der historischen ökonomischen Bedeutung des Ama-Gi bietet Dr. Michael Hudson in "The New Economic Archaeology of Debt". Schon im Mesopotamien der Bronzezeit entstanden bei der Herausbildung von Privateigentum nicht nur Geld, sondern auch Kredit und Zinsen und damit Überschuldungskrisen. Diese Kreditkrisen bereinigte man wiederholt - wie im oben genannten Beispiel aus Lagash - durch Schulderlasse zugunsten von Schuldsklaven, von Bauern, Fischern, Armen und durch Abschaffung von Korruption und Privilegien der Reichen.

Das "Ama-Gi" wird in der Literatur oft auch als "Ama-Ar-Gi" oder "ama-r-qi" bezeichnet, im Internet finden sich darüber weitere Fundstellen zum Thema. Als Sumerogramm (sumerische Keilschrift) wird das Ama-Gi (akkadisch "anduraru", hurritisch "kirenzi") noch lange als Rechtsbegriff für die Befreiung aus der Sklaverei verwendet (vergl. Volkert Haas "Die hethitische Literatur", S. 177-192). Denn wörtlich bedeutet "Ama-Gi", die Rückkehr zur Mutter, bzw. die Rückkehr zum Urzustand.

Quellen zum Ama-Gi:

Das Keilschriftrecht. Recht und Gesetz im III. und II. Jahrtausend v. Chr. im Alten Orient von Klaus Abrahamson, 2000, Erste europäische Internetzeitschrift für Rechtsgeschichte, ISSN: 1860-5605

Die Reformen von Urukagina: "The Reforms of Urukagina" (engl.)

Begriffserläuterung Ama-Gi in der Wikipedia, die noch etwas kurz greift und die libertär orientierten Gruppierungen nennt, die das Ama-Gi symbolisch ebenfalls als Zeichen  verwenden.